Magazin

Relocating to Germany

Arbeiten in Deutschland: Die ersten Schritte und ein Überblick über das Kleingedruckte

Von Jörg Kleis

Warum benötige ich eine Erlaubnis, um von Afrika nach Europa zu kommen?

Wenn du aus einem afrikanischen Land nach Deutschland möchtest, bist du im rechtlichen Sinne Angehöriger eines Drittstaates. So wird bezeichnet, wer nicht Unionsbürger ist, also nicht den Pass eines Mitgliedstaates der Europäischen Union besitzt. Angehörige eines Staates, der mit der EU assoziiert ist, wie die Schweiz oder Norwegen, profitieren von bilateralen Freizügigkeitsabkommen und sind daher Unionsbürgern gleichgestellt. Afrikanische Länder fallen jedoch nicht darunter.

Was ist der allererste Schritt?

Es ist sinnvoll, sich zunächst auf der Homepage der deutschen Botschaft in deinem jeweiligen Heimatland zu informieren. So bekommst du ein erstes Verständnis für das Verfahren. Sobald du dann dein Jobangebot vorliegen hast, müssen du und dein Arbeitgeber eure Schritte zuallererst gemeinsam abstimmen, noch bevor du zur Botschaft gehst oder gar einen Flug buchst. Manche Unternehmen sind nämlich bereits erfahren darin, Mitarbeiter aus Afrika, Asien oder Südamerika nach Deutschland zu holen. Andere machen es zum ersten Mal. Je nach Erfahrung wird dein Ansprechpartner in der HR-Abteilung also bereits eigene Schritte einleiten oder dir genaue Anweisungen geben. In jedem Fall wirst du in deinem Heimatland bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung persönlich erscheinen müssen. Dort wird man dich über alle Voraussetzungen auch noch einmal offiziell informieren.

Welche Erlaubnis benötige ich und wie wird das Verfahren eingeleitet?

Wir gehen hier ausschließlich von dem Fall aus, dass du dich als hochqualifizierter Nicht-EU-Bürger noch nicht in Deutschland befindest. Du benötigst daher typischerweise eine sogenannte EU Blue Card. (Die Niederlassungserlaubnis lassen wir hier außen vor, weil sie auf anders gelagerte Fälle zutrifft.) Die Blaue Karte beinhaltet dein Visum für die Einreise nach und den Aufenthalt in Deutschland sowie die Erlaubnis für deine konkrete Erwerbstätigkeit. Anders als bei normalen Visa für Touristen oder Studierende darfst du also auch Vollzeit arbeiten. Die Blue Card wird übrigens nur ausgestellt, wenn der Arbeitsvertrag dokumentiert, dass du mehr als 40.560,- EUR verdienen wirst. Die gute Nachricht ist also, dass du nicht weniger verdienen darfst. Dies gilt aber nur für Entwickler, Ingenieure und Angestellte aus anderen Mangelberufen. Für alle anderen gilt eine Mindestgrenze von 52.000,-. Die Grenzen werden regelmäßig von der EU angepasst. Mehr Informationen findest du unten.

Welche Dinge sollte ich parat haben?

Du brauchst neben deinem Reisepass und zwei biometrischen Fotos ein Hochschulzeugnis. Wenn du keinen Hochschulabschluss in Deutschland erworben hast, musst du zeigen, dass dein Abschluss gleichwertig zu einem in Deutschland vergebenen Abschluss ist. Zudem brauchst du das Jobangebot, also den Entwurf deines Arbeitsvertrages inkl. deines Bruttojahresgehaltes. Zuletzt wird man dich wahrscheinlich nach deinem Lebenslauf und einem polizeiliches Führungszeugnis fragen. Die genauen Voraussetzungen werden dir bei der Auslandsvertretung mitgeteilt.

Wie lange dauert das Verfahren und was wird geprüft?

Die Botschaften arbeiten so gut es geht an den zahlreichen Visaanträgen, die sie täglich erreichen. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass das Verfahren bis zur Ausstellung der Dokumente mehrere Monate dauert. Erst dann sollte der Flug gebucht oder weitere Schritte eingeleitet werden.

Der Grund für die lange Bearbeitungsdauer ist, dass verschiedene Kriterien sorgfältig geprüft werden müssen, bevor man deiner Arbeitsaufnahme zustimmen kann. Hierzu gehören die Arbeitsbedingungen wie Verdienst und Arbeitszeiten, die Vorrangprüfung, also ob die Stelle mit arbeitssuchenden Personen besetzt werden kann, die unbeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben (d.h. Deutsche oder EU-Bürger) und eine Prüfung der Positivliste, also ob die Stelle einem Mangelberuf in Deutschland angehört. (Zur Erinnerung: dies ist wichtig für die Frage, welche Gehaltsuntergrenze du erfüllen musst.) Die Arbeitsagentur hat im Internet eine Liste veröffentlicht, welche insbesondere MINT-Fächer beinhaltet. Weitere Informationen erhälst du hier.

Wie sieht es mit der langfristigen Planung für mich und meine Familie aus?

Bei erstmaliger Erteilung erhältst du zunächst eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für einen befristeten Zeitraum von maximal vier Jahren. Inhaber der Blue Card können unter bestimmten Voraussetzungen eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten. Wichtig: Für Bürger aus Drittstaaten, mit deren Ländern eine zwischenstaatliche Vereinbarung besteht, welche die Ausübung einer Beschäftigung regelt, bestimmt sich die Erteilung der Zustimmung nach dieser Vereinbarung.

Die mit der Arbeitserlaubnis verbundene Aufenthaltserlaubnis bezieht sich auch auf den Familiennachzug für das Bundesgebiet. Familienangehörige dürfen also nach ihrer Einreise in Deutschland unbeschränkt eine Arbeit aufnehmen. Die Aufenthaltserlaubnis zum Zweck des Familiennachzugs (Ehegatten und Kinder) darf längstens für den Gültigkeitszeitraum deiner Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

 

Die vorliegenden Informationen stellen keine Rechtsberatung, sondern lediglich einen Überblick allgemeiner und öffentlich zugänglicher Informationen zu diesem Thema dar. Sie sind ohne Gewähr. Quellen: IHK Leipzig / IHK Mainz / Bundesagentur für Arbeit

Zurück zu magazin